Totschlagargument „Zwangsmitgliedschaft“

Zwangsmitgliedschaften sind nicht per se undemokratisch. Bei der KFZ-Versicherung, der Sozialversicherung usw. haben sie sich bewährt. Eine Kammer ohne verpflichtende Mitgliedschaft ist wie ein Frosch mit Fahrrad.

9 Antworten auf „Totschlagargument „Zwangsmitgliedschaft““

  1. Jeder Pflegefachkraft die FÜR eine Zwangskammer ist sei gesagt, daß Ihr es, wenn einmal durchgesetzt, bitter bereuen wird. Ihr müsst ca 1% Eures Gehalts pro Monat bezahlen (Rheinland-Pfalz) – also je nach dem 12-18Euro. Ihr müsst, ohne Freizeitausgleich an deren „zertifizierten“ Fortbildungen teilnehmen – und diese auch noch aus eigener Tasche bezahlen (Rheinland-Pfalz). Die Kammer wird ein weiteres Kontrollgremium sein, ohne Befugnisse FÜR die Pflegekräfte (Lohnverhandlungen, Streikorganisation, Bürokratieabbau, Stellenschlüssel)…… Deshalb der ZWANG!! Denn ohne, würde wieder jeder austreten!!!! Viel erfahrt Ihr nunmal nicht, was so gut sein soll – vor allem nicht die Schattenseiten der Kammer! Wacht auf!! In RLP gibt es mittlerweile auch regen Unmut und Widerstand.

    1. Hallo Frank,
      danke für deinen Kommentar. Das Problem ist folgendes: zur Kammer gehört die verpflichtende Mitgliedschaft einfach dazu. Ohne diese macht eine Kammer keinen Sinn. Das ist bei Ärzten, Apothekern, Rechtsanwälten, allen Handwerkern, allen Berufen in der Industrie und im Handel so. Komischerweise hat sich da noch nie jemand beklagt oder aufgeregt.

      Die Idee ist die (ich sag’s mal ein bisschen salopp):
      1. Berufszulassung
      2. Statt staatlicher Regulation Selbstverwaltung für die Berufsgruppe
      3. Berufsausübung nur für von der Kammer zugelassene Mitglieder

      Nicht jeder dahergelaufene Depp darf Arzt, Anwalt, Apotheker, usw. sein bzw. an den Bremsen eines LKW herumschrauben. Warum nicht? Weil der Staat hier ein Interesse an Qualität hat. Und bevor der Staat das selbst regelt (wie z.B. bei seinen Beamten) sagt er: Das kann die Berufsgruppe doch am besten selbst regeln und deswegen gestattet er der Berufsgruppe (Ärzte, Apotheker, Handwerker, Industrie, Handel …) eine Kammer zu errichten. Diese Kammer bekommt nach dem Subsidiaritätsprinzip vom Staat die Macht übertragen, Berufsangelegenheiten selbst zu regeln. Jetzt hat diese Kammer aber keine Polizei, wie der Staat. Die einzige Macht, die die Kammer hat, ist die Berufszulassung: Wer den Beruf des Apothekers, Arztes, Anwalts etc. ausüben will, bedarf der Zulassung durch die entsprechende Kammer.

      Das ist also keine „Zwangsmitgliedschaft“, sondern eine Berufszulassung.

      Wer gegen diese Berufszulassung ist. sagt meiner Meinung nach: „Pflegen kann Jeder“. Das ist die logische Konsequenz.
      Deswegen sind alle, die für eine Aufwertung des Pflegeberufes in unserer Gesellschaft sind, für die Kammer.

      Das Schreckensszenario, das du malst, um die ach so schlimme Zwangsmitgliedschaft anzuprangern, ist so nicht richtig: Ich habe Anspruch auf Fort- und Weiterbildung und mein Arbeitgeber trägt die Kosten, ob die Fortbildung nun von einem Berufsverband, einer Kammer oder einer Gewerkschaft angeboten wird, macht keinen Unterschied. Natürlich weiß ich, dass nicht immer alle Fortbildungswünsche von allen Mitarbeitern erfüllt wurden und werden, aber das hat nichts mit einer Kammer zu tun.

  2. Oha Oha!! Ich möchte Ihnen nicht zu Nahe treten und ganz sicher nicht beleidigen, aber Ihre Argumente sind so Schwach, wie ich sie erwartete und auch von der Pflegekammer RLP höre….. Nicht böse sein!!
    Berufszulassung? – Dafür haben wir Jahre gelernt und eine staatliche Prüfung abgelegt. Und müssen zusätzlich im Jahr gewisse Pflichtfortbildungen besuchen. Außerdem wird die Berufsausübung schon von Vorgesetzten und anderen Gremien kontrolliert (Heimaufsicht, MDK). Mit welchem Recht maßt sich eine Pflegekammer an, die erworbene Profession in Frage zu stellen? Also bräuchte es dann keine Ausbildung mehr, weil die Pflegekammer ständig die Berufsausübung „kontrolliert“ und „regelt“? Die ausgebildeten PflegeFACHkräfte sind also nicht (um Ihre Worte zu wählen), „dahergelaufene Deppen“……
    Nochmals zu Ihrem letzten Abschnitt: Ich habe die schriftliche Mitteilung DIREKT von der RLP-Gesundheitsministerin und auch unterzeichnet von der RLP-Ministerpräsidentin Dreyer, daß die Planungen dahin laufen, daß wir Pflichtfortbildungen der Kammer besuchen MÜSSEN, ohne Freizeitausgleich (ist ja nicht vom Arbeitgeber) und für diese auch noch BEZAHLEN müssen……. Soviel zu Ihrem vorletzten Satz, der hiermit Falsch ist, bezogen auf die Pflegekammer RLP!! Ich hab nix gegen Fortbildungen, im Gegenteil. Aber in einem stressigen Schichtjob und dann noch bei der erwiesenermassen schlechten Bezahlung (Studien!), dies auf (Frei-)Zeit und Kosten der Arbeitnehmer abzuwälzen ist einfach nur unterirdisch……
    So! Ihre Punkte 1 + 3 kann man getrost als Einen zusammennehmen (Berufsausübung geht eben auch nur mit beglaubigter Urkunde der Zulassung). Das Gegenargument habe ich Oben beschrieben. Punkt 2 interessiert mich dann noch. Erklären Sie mir den Nutzen für die einzelne Fachkraft? Was machen SIE anders und besser als die „staatliche Regulation“?? Und wieso soll oder besser muss die Kammer die Qualität der Pflege erhöhen? Machen die Fachpfleger keine gute Arbeit? Ich würde eher sagen, es sind die Pflegehelfer, die Defizite haben (und die müssen NICHT in die Pflegekammer!). Woran liegt es, daß teilweise schlechtere Pflege in verschiedenen Einrichtungen stattfindet? An den Pflegfachkräften? Wer das sagt, gehört eingesperrt und von mir persönlich zuvor ausgepeitscht!! Es liegt an der überaus exorbitant hohen Bürokratie und Dokumentation und VOR ALLEM an Personaleinsparungen!!! Insbesondere in Privatunternehmen (Seniorenheimen). Ich weiß aus Erfahrung, daß in manchen sogar die Praktikantin im Personal-Tagesschlüssel als VOLLPFLEGEKRAFT mitgerechnet wurde/wird!! Mich würde auch interessieren, welche Position SIE in der Pflege ausüben…… Und noch etwas Falsches (von vielen Falschen Dingen in Ihrem Kommentar): Weder Handel, Industrie noch Handwerk haben eine ZWANGS-kammer für die Berufsausübenden. Natürlich gibt es eine Kammer in diesen Bereichen, aber wie gesagt, man wird nicht dazu gezwungen Mitglied zu sein und dafür zu bezahlen, zusätzlich kontrolliert und drangsaliert zu werden. Bevor Sie mir was anderes sagen: Meine Frau arbeitet im Handel und mein Vater im Handwerk…….

    1. Hallo Frank,
      nicht böse sein, aber Sie irren sich gewaltig.
      Auf dem Diplom, das die Examinierten erhalten, egal ob Alten- oder Krankenpflege, wird nur bescheinigt, dass der Inhaber dieser Urkunde das Recht hat, die Berufsbezeichnung Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, etc. zu führen.
      Das ist alles mögliche, nur keine Berufszulassung.
      Ich habe niemals Pflegefachkräfte als „dahergelaufene Deppen“ bezeichnet oder bezeichnen wollen.
      Es ging mir nur darum, das immer noch zu viele glauben: „Pflege kann jeder!“ Und da meine ich Menschen ohne Ausbildung…
      Natürlich sind die Apotheken-, Ärzte- und Anwaltskammern Zwangskammern, sorry, aber da haben Sie schon wieder nicht recht. Ohne Kammermitgliedschaft keine Berufszulassung…
      Ob Sie meine Ausführungen für falsch oder richtig halten, … jedem, der hier mit diskutiert, hat das Recht auf eine eigene Meinung … und das hat nichts mit der Position zu tun, die der entsprechende begleitet.
      Wenn Sie’s wirklich interessiert, googlen hilft. Und wenn wir gerade dabei sind: Was machen Sie so?
      Im Übringen bin ich Mitglied im DBFK, Mitglied bei Verdi und Mitglied im Förderverein Pflegekammer; sonst noch Fragen?

      1. Hallo „Frank“, es ist sinnlos hierüber zu diskutieren. Herr Tilmann Kommerell möchte Ihrer Argumentierung einfach nicht folgen. Ich sehe es genau so wie Sie es beschrieben haben. Ich frage mich, wie lange es sich die Pflegefachkräfte bieten lassen, von ihrem nicht all zu üppigen Gehalt, die Kosten einer Pflegekammer und allen daraus resultierenden Verbindlichkeiten zu finanzieren. Ich persönlich wurde nie gefragt ob ich für oder gegen eine Pflegekammer bin. Ich frage mich ob die Befürworter sich im Klaren waren, was da finanziell auf sie zukommt?!
        Auf alle Fälle weiß ich, wer in unserem Unternehmen ausscheiden wird und den Beruf aufgibt. Danke Pflegekammer! (und dabei könnten wir jede Pflegefachkraft dringend brauchen). Wer als Minijobber den Mist nicht finanzieren möchte, kann nur aus dem Beruf aussteigen.
        Armes Deutschland

        1. Zum Kommentar von Karim Masut: Bitte beachten, wer wofür zuständig ist.
          Wenn es Pflegekammern gibt, dann wären die Gewerkschaften dafür zuständig, dafür zu sorgen, dass das Gehalt der Pflegekräfte um den entsprechenden Betrag steigt. Wenn die Gewerkschaften sich hier verweigern, weil sie gegen die Pflegekammern sind, ist das ein Problem der Gewerkschaft und nicht ein Problem der Pflegekammer. Es gibt und gab auch schon in der Vergangenheit immer wieder Pflegekräfte, die darüber nachdenken, eine eigene Gewerkschaft zu gründen, weil sie sich durch die etablierten Gewerkschaften nicht richtig vertreten führen.

  3. Hallo Herr Kommerell,
    als Befürworterin von Pflegekammern und bin gespannt auf die nächsten Schritte, die in Baden-Württemberg zur Etablierung selbiger getan werden. Wo kann ich mich denn über den Stand der Dinge, etwaige Mitwirkungsmöglichkeiten, Themen, personelle Fragen, Kooperationen mit anderen Verbänden im Bereich der Pflege und die Zusammenarbeit mit verdi (die zum Wohle der Pflegenden hoffentlich von beiden Seiten konstruktiv und unterstützend gestaltet wird) informieren? Hier auf dieser Website habe ich leider keine aktuellen Informationen gefunden.
    Viele Grüße,
    A. Hilgert

    1. Hallo,

      Ansprechpartner wäre aus meiner Sicht erstens der Landespflegerat Baden-Württemberg und zweitens Frau Bärbel Mielich vom Sozialministerium Baden-Württemberg.
      Leider habe ich selbst keine aktuellen Informationen und bin auf Grund vielfältiger beruflicher und privater Belastungen auch nicht in der Lage, hier aktiv zu recherchieren.

      Beste Grüße

      T. Kommerell

Schreibe einen Kommentar